C’était un rendez-vous – DIE Liebeserklärung

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Zugegeben, das ist die Liebeserklärung schlechthin, die ein Mann einer Frau machen kann. Für uns Männer zumindest… Aber für Frauen??? “Fahr doch nicht so schnell“, „Muss das sein“, „Ich will noch lebendig ankommen“, etc. Wer kennt sie nicht, die Kommentare, die in einer schrillen und zum Bersten-des-Trommelfells-bringenden Tonlage an unser rechtes Ohr dringen.  Aber über rote Ampeln und über die Gegenspur fahren, nur um die große Liebe zu sehen, das ist doch ein echter Liebesbeweis.

So gesehen in dem Film „c’était un rendez-vous“ von Filmemacher Claude Lelouch, den viele von Euch bestimmt kennen und um den sich alle möglichen Mythen ranken.

Gerade einmal knapp 8 Minuten dauert die schnelle Fahrt durch das Zentrum von Paris zu früher Morgenstunde. Selbst rote Ampeln, Umwege über die Gegenfahrbahn, Müllautos (die kurioserweise vermehrt auftauchen) können das Fahrzeug nicht stoppen. Auch manch ein Fußgänger muss sich mit ein paar schnellen Schritten in Sicherheit bringen. Das Ziel: die Basilika von Sacre-Coeur, wo die Geliebte auf den nicht zu erkennenden Fahrer wartet. Gefilmt wurde der Klassiker im Jahre 1976, einmal vorgestellt, um dann wieder in der Versenkung zu verschwinden und in geheimen Kreisen zu kursieren. Dank Youtube & Co. kam der geniale Streifen aber ca. 30 Jahr später wieder ans Tageslicht. Und damit auch viele Diskussionen: Ist der Film ein Fake? Wer ist der Fahrer? Welches Auto benutzt er?

Allem voran: der Film ist KEIN Fake. Nur einige Dinge sind nicht ganz so wie sie auf den ersten Blick erscheinen.

Das Auto

Lange ist man davon ausgegangen, dass es sich bei dem Auto um einen Ferrari 275 GTB handelte. Welches andere Auto hatte in den 70’ern so einen brachialen Sound, der selbst die in der Einleitung beschriebene Tonlage übertönt? Immerhin befand sich auch ein 275 GTB in Lelouche’s Besitz. Aber weit gefehlt. In Wirklichkeit handelte es sich um eine Mercedes S-Klasse, immerhin mit 6.9 Liter V8 unter der Haube, aber im Vergleich zu einem 275 GTB doch eine ganz andere Liga. Grund hierfür war wohl, dass die pneumatische Federung des Mercedes – im Gegensatz zu dem harten Fahrwerk eines Ferrari – für verwacklungsfreies Filmmaterial gesorgt hat. Der Motorensound des Ferrari wurde später eingefügt.

Der Fahrer

Noch vielmehr Mythen ranken sich um den Fahrer als um das Auto. Von Jacky Ickx bis Jean-Louis Schlesser wurde bestimmt jeder französische Rennfahrer als potentieller Fahrer benannt. Aber , jetzt eigentlich auch keine Überraschung mehr, der Fahrer war kein geringerer als Lelouch selbst. Oft hat man gehört, dass Lelouch dafür in den Knast musste, was sich aber als unwahr herausstellte. Vielmehr musste Lelouch seinen Führerschein auf dem Polizeirevier abgeben, bekam ihn aber nach wenigen Sekunden mit den Worten „Niemand hat gesagt, wie lange ich Ihren Führerschein einziehen muss“ wieder ausgehändigt.

Die Strecke

Bei der Strecke handelt es sich nicht um die kürzeste Strecke von der Avenue Foch bis zu Sacre-Coeur, die wäre nämlich über die Périphérique nur ca. 8,6 Kilometer. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, die Strecke in Google Maps abzubilden (währenddessen ist mir zweimal der PC abgestürzt und ich stehe nun kurz vor einem Nervenzusammenbruch). Ein paar kleine Ungenauigkeiten sind aber leider nicht zu vermeiden. So ist beispielsweise die Durchfahrt beim Louvre eine Einbahnstraße und das auch noch in die Gegenrichtung. Und außerdem ist im 18. Arrondissement das Zentrum mittlerweile eine Fußgängerzone. Für all diejenigen, die die Strecke trotzdem mal abfahren möchten, hier der Link: Google Maps .

Heutzutage braucht man für die 11 km lange Strecke laut Google Maps 34 min. Wer jedoch den Pariser Verkehr (nicht zu verwechseln mit Pariserverkehr) kennt, weiss, dass eine Stunde wohl eher realistisch ist.

Fazit

Auch wenn ich jetzt etwas enttäuscht bin, dass es sich in dem Video nicht um Jackie Ickx in einem Ferrari 275 GTB gehandelt hat, muss ich sagen, dass die Faszination für dieses Video nur wenig nachgelassen hat. Für die knapp 11 km lange Strecke hat Lelouch gerade mal 7 Minuten und 50 Sekunden gebraucht. Laut meiner Rechenkünste komme ich auf 84,6 km/h im Schnitt, was für eine Strecke wie diese nicht zu verachten ist, aber einem Rennfahrer auch nicht zum Staunen bringt. Aber es geht in dem Film ja auch nicht um Rennfahrer, sondern um die Liebe, betrachtet aus einem sehr männlichen Blickwinkel. Ach ja, der Film wird von uns nicht zur Nachahmung empfohlen. Französische Polizisten haben wenig Sinn für Humor wenn es um zu hohe Geschwindigkeiten geht – speziell uns Deutschen gegenüber.

C'était un rendez-vous – Die Strecke




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